Der hard-boiled Krimi
 

Hard-boiled Detektive

 

Sam Spade -

- wurde berühmt durch Dashiell Hammetts dritten Roman "Der Malteser Falke", und durch Humphrey Bogard, der 1941 den Privatdetektiv in der dritten Verfilmung des Malteser Falkens spielte.
Mit scharfer Beobachtungsgabe und einer großen Portion Sarkasmus löst Sam Spade seine Fälle; nicht idealistisch, aber an einen Ehrenkodex gebunden, ist er in der Welt der Gangster zuhause. Dabei ist Sam Spade eigentlich ein absoluter Unsympath (im Gegensatz zu seinem "Vorgänger", dem Continental Operator), wird auch von Hammett oft mit Satan in Verbindung gebracht. Er ist tatsächlich ein Wolf, ohne moralische Werte, der nur zu seinem eigenen Vorteil agiert. Und doch gelingt es Hammett, dass der Leser auf Spades Seite steht und ihm wünscht, es möge ihm gelingen, aus dem Schlamassel wieder rauszukommen, in den ihn seine Auftraggeber gebracht haben.

 

Philip Marlowe -

- von Raymond Chandler, ist der berühmteste hard-boiled Schnüffler der Welt. Er ist ein Privatdedektiv, der in einer Welt ohne Moral und Grundsätze versucht, nach seinen eigenen moralischen Grundsätzen zu leben. In "The Big Sleep", dem ersten Fall von Marlowe, ist er 33 Jahre alt. Marlowe hat das College besucht und als Polizist für den Distriktanwalt gearbeitet, wurde jedoch wegen Befehlsverweigerung entlassen. Er ist relativ kräftig gebaut. "Keine sichtbaren Narben. Haare dunkelbraun, etwas grau. Augen braun. Größe einsvierundachzig. Gewicht circa einsneunzig." Philip Marlowe raucht und trinkt, bevorzugt Whisky und spielt gerne alte Schachpartien nach.
Marlowe ist der Prototyp des knallharten, unbestechlichen und dennoch sentimentalen Einzelgängers. Ernsthafte Frauengeschichten beschränken sich auf die letzten beiden Romane. In dem unvollendeten Roman "Poodle Springs" heiratet er die Tochter eines mehrfachen Millionärs, bleibt seinem Stil dennoch treu.

 

Lew Archer

Verbrecher wie Opfer erzählen Lew Archer von Ross Macdonald mehr, als sie sagen wollten. Die üblichen Indizien wie rauchende Revolver spielen bei den Ermittlungen Lew Archers kaum eine Rolle. Seine detektivische Arbeit besteht im Zuhören; was er aufdeckt, sind die langen Arme des Schicksals. Macdonalds Krimis sind verkappte Tragödien voller ödipaler Verhängnisse, oft Neuinszenierungen griechischer Mythen. Überall lauert die Vergangenheit, und sei es nur im abgelebten Prunk der kalifornischen High Society.

 

Steve Carella -

- von Ed McBain, kämpft nicht allein gegen die bösen Buben seiner Stadt und ist auch kein Privat-, sondern ein Polizeidetektiv vom 87. Revier in Siova (New York City).
McBain legte mit seinen Polizisten aus dem 87. Revier den Grundstein für das gesamte Spektrum der Polizei-TV-Serien...

 

Parker -

- von Richard Stark, klärt zwar Verbrechen auf, ist allerdings auch selbst ein Gangster.
Parker erhielt deshalb keinen Vornamen, weil er nur für einen Roman konzipiert war. Doch die Leser wollten mehr und so schrieb Richard Stark alias Donald E. Westlake 21 Parker-Romane...

 

Travis McGee -

- von John D. MacDonald, lebt im Grunde ein recht gemütliches Leben auf seinem Hausboot, das er beim Pokern gewonnen hat. Ab und zu geraten Menschen auf sein Boot, die meistens in ziemlich verzwickten Situationen stecken und Travis McGee ist die letzte Chance, die ihnen bleibt.
"Wenn X etwas Wertvolles hat und Y daherkommt und es ihm wegnimmt, und wenn es überhaupt keine Möglichkeit auf dieser Welt gibt, wie X das wieder zurückbekommen kann, dann komme ich ins Spiel und handle mit X aus, dass ich es zurückhole und die Hälfte davon behalte. Und dann lebe ich einfach von dieser Hälfte, bis sie weg ist."
So beschreibt Travis McGee sein Leben und seine Arbeitsweise. Er ist ein Korea-Veteran und Ex-Football Spieler, er angelt nach Fischen und nach Frauen und ist ein Romantiker, der seine Sensibilität hinter einem hard-boiled Panzer versteckt.
Travis McGee bewegen ritterliche Motive, aber auch Eigennutz und Profitstreben. Die Eigenart der Figur liegt auch darin, dass sie sich im Laufe der Serie entwickelt. Die letzten Bände sind ein Abgesang auf das Easy-Going-Leben: Travis McGee ist desillusioniert, und MacDonald lässt ihn im letzten Roman mit Hilfe seiner fast erwachsenen Tochter einen neuen Sinn finden.

 

Dave Brandstetter -

- von Joseph Hansen ist der einzige schwule hard-boiled Detektive, der die Leserinnen und Leser weltweit davon überzeugen konnte, das auch ein schwuler Detektiv, ein (fast) ganz normaler hard-boiled Detektiv sein kann.
In "Fadeout", dem ersten Fall von Dave Brandstetter, erfährt man, dass Daves Lebensgefährte vor einiger Zeit gestorben ist. Dave leidet darunter und sein Fall bleibt davon nicht unbeeinflusst. Außerdem erfährt man, dass Dave seinen Job als Versicherungsdetektiv nur deshalb hat, weil sein Vater, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Medallion Lebensversicherung, ihn protegiert. Mit dem Ausscheiden des Vaters wäre Dave seinen Job sofort los.
Dass Dave schwul ist, spielt eigentlich keine Rolle, mal davon abgesehen, dass er z.B. in "Fadeout" sofort erkennt, dass sich die Leiche zu Lebzeiten ebenfalls zu Männern hingezogen fühlte. Dave lebt und arbeitet in Los Angeles. Mit seiner sympathischen, eleganten Art, seinem Verstand und einem genialen Spürsinn kommt er den Tätern oft schneller auf die Spur, als es den aufklärenden Polizisten lieb ist. Seine Moral lässt es aber auch zu, dass der eine oder andere Täter nicht seiner Strafe zugeführt wird, sondern die Sache mit seinem Gewissen ausmachen muss.

 

John Shaft -

- von Ernest Tidyman, ist ein ziemlich harter schwarzer Detektiv, erfunden von einem weißen Schriftsteller. Er wurde nicht nur durch die Bücher, sondern besonders durch die drei Kinowelterfolge aus den Siebzigern weltberühmt. Auch die Serie im TV trug zu seiner Bekanntheit bei.
Shaft ist trotzig-wütend, strotzt vor Gewalt und sexuellem Selbstbewußtsein und hängt irgendwo im Niemandsland zwischen den Weißen einerseits, denen er mit Misstrauen begegnet, und den schwarzen Gangstern und den Radikalen der Schwarzenbewegung andererseits. Shaft wuchs als Waisenjunge in diversen Pflegefamilien auf und kam schon früh mit dem Gesetz in Konflikt. Ein Jugendrichter und ein Bewährungshelfer entledigen sich des jungen Querulanten, indem sie ihm den Dienst bei der Army in Vietnam nahe legen. In Vietnam lernt Shaft die Gewalt kennen, die ihn künftig nicht mehr los lässt. Mittlerweile lebt Shaft im besseren Stadtteil Greenwich Village und trägt eine Rolex-Uhr, aber seine Fälle führen ihn immer in den schwarzen Stadtteil Harlem, in den sich die Weißen nicht trauen.

 

Lucas Davenport -

- von John Sandford, ist Polizist und duelliert sich mit Serienkillern. Obwohl Lucas Davenport einer der "jüngsten" hard-boiled "Aufklärer" ist, genießt er bereits weltweit Kultstatus.
Davenport könnte man als direkten Nachfolger von Mike Hammer sehen, der ebenfalls gelegentlich recht brutal das Gesetz in die eigene Hand genommen hat. Sandford begründet diese Haltung seines Helden aber nicht mit 10seitigen Monologen, wie man es bei Spillane nachlesen kann, sondern bringt es zwischen den Zeilen rüber. Auch ist sein Held kein Supermann, sondern ein Mensch mit vielen Fehlern. Und nicht nur das: er hat sogar Eigenschaften, die für sich genommen, äußerst unsympathisch wären. Doch man kann es Davenport letztlich nicht richtig übel nehmen, dass er in diesem dreckigen Sumpf von einem ziemlich heruntergekommenem Amerika, versucht, ein bisschen aufzuräumen.
In den frühen Davenport-Krimis hüpft er von einem Bett zum nächsten. Er hat mit einer seiner ersten Frauen auch eine Tochter, die er allerdings selten sieht, da es ihm die Mutter sehr übel nimmt, dass seine Tochter bei einem Schusswechsel verletzt wurde.
Davenport verdient sich nebenher noch ein paar Dollars dazu mit Computersimulationen, was dazu führt, dass er der einzige Bulle in den Zwillingsstädten Minneapolis und St. Paul ist, der mit dem Porsche zur Arbeit fährt.
Psychologische Beratung für viele seiner Fälle holt er sich bei einer Nonne im Kloster ab - sie ist eine Freundin aus Kindheitstagen.
Lucas Davenport ist insgesamt ein sehr interessanter hard-boiled Charakter - allerdings ist nicht jeder Krimi wirklich überzeugend. Es finden sich hin und wieder einige Logikfehler, die den Lesespaß aber nur sehr selten vermiesen...

 

Jack Reacher -

- von Lee Child alias Jim Grant, ist ein ehemaliger Militärpolizist, der nach seinem ausscheiden aus dem Militärdienst wie ein Landstreicher durch die USA reist und an verschiedenen Orten Verbrecher killt. Natürlich tötet er nur die bösen Jungs und rettet die guten Mädchen, aber er ist definitiv der brutalste hard-boiled Detektiv, der mir je über den Weg gelaufen ist!
Die hard-boiled Thriller von Lee Child sind nicht wirklich überzeugend und auch recht eindimensional, aber doch recht spannend, mit einigen überraschenden Pointen, wogegen es an überraschende Wendungen eher mangeld. Das ist schade. Lee Child hätte hier mehr draus machen können. Aber er bedient hier ganz klar einen abgesteckten Markt und legt eben auf geweisse Aspekte, die andere hard-boiled Krimis auszeichen, keinen Wert.
Jack Reacher würde ich auf einer Ebene mit Mike Hammer ansiedeln, wo bei er sich durch eine deutlich unrealistischeren Welt kämpfen kann, als z.B. Lucas Davbenport. Das ist ein klarer Schwachpunkt des Jack Reacher Universums. Es kommt vor, dass Jack Reacher völlig unnötiv Menschen geradezu abschlachtet, wo selbst ein Mike Hammer anders gehandelt hätte.

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